Cortisol ist das bekannteste Stresshormon des Körpers. Von der Dosis hängt ab, ob Du wach und leistungsfähig bist oder müde und schlapp.
Wir zählen Schritte, Kalorien und Herzschläge - aber wer zählt seine Atemzüge? Die Häufigkeit sowie die Art und Weise unserer Atmung entscheiden mit, ob wir mehr gestresst oder eher entspannt sind.
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Wir atmen, ohne dass wir uns darum kümmern müssen, aber ganz so leicht können wir uns nicht aus der Verantwortung stehlen. Ohne dass Du es merkst, können sich schlechte Atemgewohnheiten einschleichen. Das passiert z. B., wenn Du gestresst bist. Du atmest häufiger und wie viele Menschen bevorzugt auch durch den Mund. Wenn Du dann nicht aufpasst, gewöhnt sich Dein Körper an die veränderte Atemweise. Die Veränderungen tun Dir weder weh, noch werden sie Dich im Alltag behindern - aber langfristig haben sie Folgen. Sie rauben Dir Energie, lassen Dich schneller müde werden. Verschiedene Krankheiten können folgen, wenn Du nichts unternimmst.
Die Atmung nimmt im Körper eine Sonderstellung ein. Einerseits wird sie vom vegetativen Nervensystem gesteuert und findet statt, ohne dass wir willentlich steuern müssen. Andererseits können wir bewusst schneller oder langsamer atmen, tiefer oder flacher Luft holen. Diese direkte Einflussnahme unterscheidet die Atmung von anderen Funktionen im Körper, wie z. B. Verdauung oder die Ausschüttung von Hormonen, die wir nicht bewusst und mit unserem Willen beeinflussen können.
Die meiste Zeit verlassen wir uns bei der Tiefe und der Anzahl unserer Atemzüge vollkommen auf unseren Körper. Wir vertrauen darauf, dass die Atemrezeptoren im Körper immer wissen, wie viel Sauerstoff wir im Moment benötigen. Unter normalen Umständen ist das eine gute Aufgabenteilung, aber bei Stress ist Vorsicht geboten.
Es ist möglich, ohne Grund 2- bis 3-mal so viel Luft wie nötig einzuatmen, und es nicht zu bemerken. Beim Seufzen, Husten oder Gähnen passiert das, wie schon erwähnt, ganz unbewusst. Eine Erhöhung der Atemfrequenz und der Luftmenge ist vorübergehend kein Problem. Wenn es jedoch über einen längeren Zeitraum geschieht, wie es häufig bei chronischem Stress der Fall ist, können sich schlechte Atemgewohnheiten in unser Leben einschleichen und verfestigen.
Das Atemzentrum reagiert auf alles, was wir erleben. Unter Stress atmen wir häufiger durch den Mund und nicht mehr durch die Nase. Selbst wer sonst konsequent durch die Nase atmet, wechselt bei Anspannung zur Mundatmung und atmet dadurch automatisch schneller. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, warum dieser Wechsel sinnvoll ist. Unsere Vorfahren atmeten in bedrohlichen Situationen, wenn sie für Kampf oder Flucht mehr Luft und Energie brauchten, durch den Mund. So versorgten sie ihre Muskeln mit dem nötigen Sauerstoff.
Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen dem Säbelzahntiger von damals und den Herausforderungen von heute. Die körperliche Reaktion auf Stress hat sich nicht verändert. Obwohl wir normalerweise nicht auf der Flucht sind, atmen viele Menschen bei geistigen oder emotionalen Anstrengungen bevorzugt durch den Mund.
Die Mundatmung stresst den Körper zusätzlich. Du kannst es an Deiner Herzfrequenz erkennen, wie fordernd die Mundatmung ist: Atme ein paarmal mit tiefen Atemzügen durch den Mund – innerhalb von ein paar Sekunden wird Dein Herz schneller und weniger variabel schlagen. Sobald Du wieder entspannt und sanft durch die Nase atmest, verlangsamt sich wieder Dein Herzschlag und im Ruhezustand nimmt die Herzratenvariabilität zu.
Ein weiterer Effekt von Stress ist die Verlagerung zu flacher Brustatmung und die Vernachlässigung von tiefer Zwerchfellatmung. Dabei übernehmen vor allem die Hilfsmuskulatur von Hals und Schultern die Atemarbeit, während das Zwerchfell als eigentlicher Hauptatemmuskel kaum noch beansprucht wird. Das kostet zusätzlich Energie, kann Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich begünstigen und wirkt der beruhigenden Wirkung tiefer Atemzüge entgegen.
Mundatmung ist vorübergehend kein Problem, aber langfristig kann sie zu gesundheitlichen Folgen führen. Leider verpassen viele gestresste Menschen den Moment, aus dem Stressmodus mit der Atemweise durch den Mund auszusteigen. In Gegensatz zu unseren Vorfahren haben wir es schwerer, den Absprung zu schaffen. Da Büroarbeit und viele Freizeitaktivitäten unsere Muskeln kaum ermüden und uns keine Pausen aufzwingen, müssen wir selbst erkennen, wann unsere Kraftreserven erschöpft sind und der Körper Erholung braucht.
Obwohl die Mundatmung nicht unmittelbar einer Hyperventilation entspricht, verändert sie langfristig die Atemphysiologie. Auch wenn man nicht zu schnell oder zu tief atmet, wird trotzdem ein chronisch leicht übermäßiges Atmen begünstigt. Wegen des geringeren Atemwegswiderstands strömt die Luft leichter ein, wodurch die Atmung unbewusst schneller und häufiger wird. Dies führt aufgrund eines niedrigeren CO₂-Level im Vergleich zur Nasenatmung zu einer höheren Aktivierung des sympathischen Nervensystems und einer schlechteren Sauerstoffverteilung aufgrund reduzierter Stickoxid-Produktion (Lundberg et al., 1996; Wuttke M., 2021; Ramirez‑Yanez, G.O., 2023).
Gerade hinsichtlich der Stressbewältigung ist die Aktivierung des Stressnervs schlecht, weil die höhere Herzfrequenz zu mehr innere Unruhe, einer erhöhten Angstbereitschaft (Zelano, C. et al., 2016) und schlechteren Regulation von Emotionen führt (Mohammadi, S. et al., 2026). Zudem kann die Mundatmung den Schlaf und die Sauerstoffversorgung verschlechtern, weil Schnarchen und Schlafapnoe gefördert werden (Schramm, P., 2024).
Der Ausstieg aus dem Stressmodus ist wichtig, denn innerhalb von 24 Stunden beginnt der Körper sich an die erhöhte Atemfrequenz (chronisch leichte Überatmung) anzupassen und zu gewöhnen (Brown et al., 1948). Die Folgen für die geistige und körperliche Gesundheit können erheblich sein. Forscher haben eine Reihe von Symptomen zusammengetragen, die in Verbindung mit einer falschen Atemweise stehen, wie z. B. Schwindel, Kribbeln in den Fingern, Verwirrtheit, Angstgefühle und Herzklopfen (Zelano, C. et al., 2016; Shaw, J., 2016). Bei einigen Krankheiten, wie z. B. Herzschwäche, Angststörungen und Asthma, wurde bei den Patienten festgestellt, dass die meisten zu intensiv atmen (Boulding et al., 2016; Fanfulla et al., 1998). Wenn allerdings Symptome wie Schwindel, Herzklopfen oder Atemnot häufig auftreten, sollte eine medizinische Abklärung erfolgen, um andere Ursachen auszuschließen. Studien zeigen, dass etwa 8 bis 10 Prozent der gesunden Erwachsenen – und rund 30 Prozent der Asthmapatienten – von einer dysfunktionalen, zu schnellen Atmung (Hyperventilationssyndrom) betroffen sind (Thomas et al., 2005; Boulding et al., 2016)
Wenn Du Dir unsicher bist, ob Du ausreichend für Pausen und Erholung sorgst, dann prüf es nach. Was viele nicht wissen: Den Stresspegel und die Entspannungsfähigkeit kann man messen. Es gibt verschiedene Tests, die Dir bei der Einschätzung helfen. Wenn Du mehr über Möglichkeiten zum Messen von Stress wissen willst, dann schau in unserem Bereich Stress messen nach.
Auf die Frage, ob Mund- oder Nasenatmung besser ist, gibt es nur eine Antwort: Nasenatmung. Die Mundatmung ist evolutionär nur für besondere Situationen vorgesehen. Die natürlichste und richtige Art zu atmen ist durch die Nase. Nur tun es viele Menschen nicht mehr, weil sie es verlernt haben. Für die Nase gilt dasselbe wie für die Muskeln: „Use it or lose it.“ Das Gewebe von Zunge, Rachen und Nasennebenhöhlen bleibt nur straff, geschmeidig und offen, wenn die Nase zum Atmen genutzt wird. Tun wir es nicht, empfinden wir die Nasenatmung immer stärker als unangenehm und vermeiden sie am Ende ganz. Die Autoren Dr. med. Egor Egorov (Anästhesist und Hypoxie-Experte) und Nicole Franke-Gricksch (Medizinjournalistin mit Ausbildung zur Heilpraktikerin) sind auf die Vorteile der Nasenatmung im Buch "6 Atemzüge und nie wieder gestresst" detailliert eingegangen.
Das ist ein evolutionäres Erbe: In bedrohlichen Situationen wechselten unsere Vorfahren zur Mundatmung, um für Kampf oder Flucht schnell mehr Sauerstoff aufzunehmen. Dein Gehirn unterscheidet dabei nicht zwischen echter Gefahr und heutigem Alltagsstress – der Wechsel zur Mundatmung erfolgt automatisch und unbewusst, auch bei rein geistiger oder emotionaler Anspannung.
Nein. Eine kurzfristige Umstellung auf Mundatmung ist eine normale Stressreaktion und für sich genommen unbedenklich. Problematisch wird es erst, wenn Stress und Mundatmung über einen längeren Zeitraum anhalten und sich dadurch eine dauerhaft veränderte, chronisch leicht überhöhte Atmung einschleicht.
Schneller als man denkt: Bereits innerhalb von 24 Stunden beginnt sich der Körper an eine erhöhte Atemfrequenz anzupassen. Das macht es wichtig, den Ausstieg aus dem Stressmodus nicht über Tage oder Wochen hinauszuzögern, sondern die Nasenatmung möglichst zeitnah wieder bewusst zu trainieren.
Ein einfacher Selbsttest ist die Herzfrequenz: Atme ein paarmal tief durch den Mund – wird Dein Herzschlag dabei spürbar schneller und unregelmäßiger, zeigt das die zusätzliche Belastung durch Mundatmung. Wechselst Du zurück zu ruhiger Nasenatmung, sollte sich Dein Herzschlag wieder beruhigen und die Herzratenvariabilität zunehmen.
Ja – die Atmung ist eine der wenigen Körperfunktionen, die sowohl unbewusst abläuft als auch bewusst steuerbar ist. Genau diese direkte Einflussmöglichkeit lässt sich nutzen: Wer gezielt zu ruhiger, tiefer Nasenatmung zurückfindet, kann darüber aktiv Einfluss auf das vegetative Nervensystem und damit auf das eigene Stresslevel nehmen.
Stress aktiviert das sympathische Nervensystem und verändert dadurch unbewusst die Atmung: Die Atemfrequenz steigt und viele Menschen wechseln von der Nasen- zur Mundatmung. Diese Reaktion stammt evolutionär aus der Kampf-oder-Flucht-Reaktion, bei der der Körper kurzfristig mehr Sauerstoff benötigt. Hält dieser Zustand über einen längeren Zeitraum an, kann daraus eine dysfunktionale Atmung in Form einer chronisch leichten Überatmung entstehen – ein Muster, von dem überraschend viele Menschen betroffen sind, gesunde sowie auch asthmakranke. Der Körper beginnt sich bereits innerhalb von 24 Stunden an eine dauerhaft erhöhte Atemfrequenz zu gewöhnen.
Boulding, R., Stacey, R., Niven, R., & Fowler, S. J. (2016). Dysfunctional breathing: A review of the literature and proposal for classification. European Respiratory Review, 25(141), 287–294. https://doi.org/10.1183/16000617.0088-2015
Brown, E. B., Jr., Campbell, G. S., Johnson, M. N., Hemingway, A., & Visscher, M. B. (1948). Changes in response to inhalation of CO2 before and after 24 hours of hyperventilation in man. Journal of Applied Physiology, 1(4), 333–338. https://doi.org/10.1152/jappl.1948.1.4.333
Fanfulla, F., Mortara, A., Maestri, R., Pinna, G. D., Bruschi, C., Cobelli, F., & Rampulla, C. (1998). The development of hyperventilation in patients with chronic heart failure and Cheyne-Stokes respiration: A possible role of chronic hypoxia. Chest, 114(4), 1083–1090. https://doi.org/10.1378/chest.114.4.1083
Lundberg, J. O. N., Settergren, G., Gelinder, S., Lundberg, J. M., Alving, K., & Weitzberg, E. (1996). Inhalation of nasally derived nitric oxide modulates pulmonary function in humans. Acta Physiologica Scandinavica, 158(4), 343–347. https://doi.org/10.1046/j.1365-201X.1996.557321000.x
Mohammadi, S., Hossein-Zadeh, G. A., & Raoufy, M. R. (2026). Nasal and oral breathing modes reconfigure brain network dynamics between stabilizing integration and promoting fragmentation. Scientific Reports, 16, Article 15917. https://doi.org/10.1038/s41598-026-43617-2
Ramirez-Yanez, G. O. (2023). Mouth breathing: Understanding the pathophysiology of an oral habit and its consequences. Medical Research Archives, 11(1). https://doi.org/10.18103/mra.v11i1.3478
Schramm, P., Schneiderman, E., Hui, J., German, Z., Stenberg, W., & Lin, J. Y. (2024). Obstructive sleep apnea mouth breathing phenotype response to combination oral appliance therapy. Frontiers in Sleep, 3, Article 1272726. https://doi.org/10.3389/frsle.2024.1272726
Shaw, J. (2016). Current clinical practices, experiences, and perspectives of healthcare practitioners who attend to dysfunctional breathing: A qualitative study [Master's thesis, Unitec Institute of Technology]. Unitec Research Bank. https://hdl.handle.net/10652/3589
Thomas, M., McKinley, R. K., Freeman, E., Foy, C., & Price, D. (2005). The prevalence of dysfunctional breathing in adults in the community with and without asthma. Primary Care Respiratory Journal, 14(2), 78–82. https://doi.org/10.1016/j.pcrj.2004.10.007
Wuttke, M. (2021). HNO-Aspekte bei kindlicher Mundatmung und Kieferfehlstellungen. Manuelle Medizin, 59(2), 94–98. https://doi.org/10.1007/s00337-021-00780-z
Zelano, C., Jiang, H., Zhou, G., Arora, N., Schuele, S., Rosenow, J., & Gottfried, J. A. (2016). Nasal respiration entrains human limbic oscillations and modulates cognitive function. Journal of Neuroscience, 36(49), 12448–12467. https://doi.org/10.1523/JNEUROSCI.2586-16.2016
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