17. Juli 2026  |  Nicole Franke-Gricksch

Adaptogene: Wie Pflanzen helfen, besser mit Stress umzugehen

Adaptogene sind natürliche Pflanzenwirkstoffe, die Dich in Stressphasen unterstützen können. Sie helfen Deinem Körper, flexibler auf Stress zu reagieren und schneller wieder ins Gleichgewicht zu finden.

Stress gehört zum modernen Alltag wie das Smartphone in der Hosentasche. Termindruck im Job, familiäre Verpflichtungen, Schlafmangel oder emotionale Belastungen fordern Körper und Geist. Doch nicht jeder Mensch reagiert gleich. Während manche auch in turbulenten Phasen gelassen bleiben, geraten andere schneller an ihre Grenzen. Genau dann können sogenannte Adaptogene helfen.

Inhalt:

Was sind Adaptogene?

Bekannte Vertreter sind:

Neben den hier vorgestellten Pflanzen zählen u. a. auch Reishi (v. a. im Fokus bei Immunsystem und Schlaf), Schisandra (traditionell in der chinesischen Medizin bei geistiger Erschöpfung eingesetzt), Süßholzwurzel (unterstützt u. a. die Nebennierenfunktion), Maca und Tulsi (Heiliges Basilikum) zu den bekannten Adaptogenen.

Worauf bei der Einnahme wegen Wechselwirkungen, Qualitätskriterien oder Kontraindikationen zu achten ist, kann an dieser Stelle wegen der notwendigen Detailtiefe nicht ausgeführt werden und sollte den jeweiligen Beipackzetteln der Produkte entnommen werden.

Mehr Stressresistenz im Alltag mit Adaptogenen

Adaptogene können die Widerstandskraft des Körpers gegenüber sehr unterschiedlichen Belastungen erhöhen. Dazu zählen äußere Stressoren, wie Kälte, Hitze, Lärm, sowie biologische oder chemische Schadstoffe. Ebenso können sie bei psychischen Belastungen unterstützen, etwa bei Angst, emotionalem Druck oder depressiven Verstimmungen. Auch bei hoher körperlicher Beanspruchung, wie zum Beispiel bei Wettkämpfen, kommen sie zum Einsatz.

Die Studienlage von Adaptogenen

Eine Reihe von klinischen Studien zeigt, dass Adaptogene eine signifikante Wirkung auf Stressfolgen haben. Beobachtet wurde eine Anpassung an eine körperliche oder emotionale Stresssituation. Adaptogene können also die Stressresistenz erhöhen (Olsson, E. M. G. et al., 2009). Bei stressbedingter Müdigkeit und Erschöpfung verbessern sie die Aufmerksamkeitsspanne sowie die geistige Leistungsfähigkeit (Aslanyan, G. et al., 2010).

Die Forschung zu Adaptogenen wächst, doch die Datenlage ist je nach Pflanze ganz unterschiedlich. Für einzelne Substanzen gibt es Hinweise auf positive Effekte bei Stress, Müdigkeit oder eingeschränkter mentaler Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig fehlen bei anderen Adaptogenen noch größere, hochwertige Langzeitstudien.

Tipp: Pflanzenportraits von verschiedenen Adaptogenen mit Studienhinweisen findest Du auf „6atemzuege.de“ im Kapitel „Heilpflanzen helfen Dir, Deine Stresssymptome zu lindern“.

Woher stammt der Begriff Adaptogene?

Die Bezeichnung "adaptogen" leitet sich von dem lateinischen Wort adaptare ab - es bedeutet "anpassen, passend machen". Der russische Arzt Dr. Nicolai Lazarev prägte den Begriff Adaptogen bereits 1958 (Lazarev, N. V., 1958, Farmakologiya i Toksikologiya; Panossian & Wagner, HerbalGram, Issue 90, 2011). Er war davon überzeugt, dass es Wirkstoffe gibt, die dem menschlichen Organismus helfen, sich an Stresssituationen besser anzupassen, indem sie die körpereigene unspezifische Abwehr steigern.

Die offizielle EMA-Definition

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA definiert Adaptogene als pflanzliche Wirkstoffe, die die Widerstandsfähigkeit des Körpers gegen Stress erhöhen, ohne dabei stark stimulierend zu wirken. Das ist die kurze Zusammenfassung auf den Aspekt von Stress bezogen. Die Originaldefinition ist mit 4 Kriterien allgemeiner formuliert (EMEA/HMPC/102655/2007, Kap. 3, ema.europa.eu).

Die Einnahme von Adaptogenen

Traditionell werden Adaptogene eher vorbeugend oder frühzeitig eingesetzt – idealerweise vor einer akuten Erkrankung. Ihre Wirkung setzt häufig nicht sofort ein, sondern erst nach einiger Zeit. Deshalb werden Adaptogene über einen längeren Zeitraum eingenommen. Eine Anwendungsdauer von ein bis drei Monaten hat sich bewährt, danach solltest Du eine Einnahmepause machen.

Machen Adaptogene abhängig?

Adaptogene wie Ashwagandha, Rosenwurz und Sibirischer Ginseng unterscheiden sich grundsätzlich von klassischen Stimulanzien wie Koffein, Nikotin oder Amphetamin. Während diese Stimulanzien das Nervensystem direkt anregen und kurzfristig Wachheit sowie Leistungsbereitschaft steigern können, besteht bei regelmäßiger Anwendung häufig das Risiko einer Gewöhnung. Das bedeutet: Mit der Zeit sind höhere Mengen nötig, um denselben Effekt zu erzielen.

Adaptogene verfolgen einen anderen Ansatz. Sie gelten nicht als klassische „Aufputschmittel“. Sie haben lediglich einen Schutzeffekt, der dem Körper unterstützen soll, besser mit Belastungen umzugehen und Stressreaktionen auszugleichen. Sie führen weder zu einer körperlichen Gewöhnung noch haben sie Suchtpotenzial, selbst bei längerer Einnahme.

Adaptogene sind kein Ersatz für Veränderungen

Adaptogene helfen Dir mit den negativen Folgen von Stress besser umzugehen. Aber wenn Du dauerhaft unter Strom stehst, braucht Du mehr als nur eine Kapsel.

Entscheidend für den Stressabbau sind:

  • ausreichend Schlaf
  • regelmäßige Bewegung
  • ausgewogene Ernährung
  • Erholungsphasen im Alltag
  • gutes Selbstmanagement
  • gesunde gesellschaftliche Beziehungen
  • ausgereiftes Zeit- und Konfliktmanagement

FAQ: Häufige Fragen zu Adaptogenen

Was sind Adaptogene?

Adaptogene sind natürliche Pflanzenwirkstoffe, die dem Körper helfen, flexibler auf Stress zu reagieren und schneller wieder ins Gleichgewicht zu finden. Bekannte Vertreter sind Ashwagandha, Rosenwurz, Jiaogulan und Sibirischer Ginseng.

Wie wirken Adaptogene bei Stress?

Adaptogene können die Widerstandskraft des Körpers gegenüber unterschiedlichen Belastungen erhöhen – dazu zählen äußere Stressoren wie Kälte, Hitze oder Lärm, psychische Belastungen wie Angst oder emotionaler Druck sowie hohe körperliche Beanspruchung. Klinische Studien zeigen eine signifikante Wirkung auf Stressfolgen sowie Verbesserungen bei Aufmerksamkeit und geistiger Leistungsfähigkeit.

Wie lange sollte man Adaptogene einnehmen?

Da ihre Wirkung häufig nicht sofort einsetzt, werden Adaptogene über einen längeren Zeitraum eingenommen. Eine Anwendungsdauer von ein bis drei Monaten hat sich bewährt, danach wird eine Einnahmepause empfohlen.

Machen Adaptogene abhängig?

Nein. Im Unterschied zu klassischen Stimulanzien wie Koffein oder Nikotin führen Adaptogene weder zu körperlicher Gewöhnung noch haben sie Suchtpotenzial – auch nicht bei längerer Einnahme.

Woher stammt der Begriff "Adaptogen"?

Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort "adaptare" (anpassen) ab. Geprägt wurde er vom russischen Arzt Dr. Nicolai Lazarev, der davon überzeugt war, dass bestimmte Wirkstoffe dem Organismus helfen, sich besser an Stresssituationen anzupassen.

Ersetzen Adaptogene einen gesunden Lebensstil?

Nein. Adaptogene helfen, besser mit den Folgen von Stress umzugehen, sind aber kein Ersatz für ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, Erholungsphasen und gutes Selbstmanagement.

Literaturverzeichnis

Aslanyan, G., Amroyan, E., Gabrielyan, E., Nylander, M., Wikman, G., & Panossian, A. (2010). Double-blind, placebo-controlled, randomised study of single dose effects of ADAPT-232 on cognitive functions. Phytomedicine, 17(7), 494–499. https://doi.org/10.1016/j.phymed.2010.02.005

Olsson, E. M. G., von Schéele, B., & Panossian, A. G. (2009). A randomised, double-blind, placebo-controlled, parallel-group study of the standardised extract SHR-5 of the roots of Rhodiola rosea in the treatment of subjects with stress-related fatigue. Planta Medica, 75(2), 105–112. https://doi.org/10.1055/s-0028-1088346

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